Fragen zur geplanten sportsclinic im „Ob dem Holz“

Wo funktioniert das amerikanische Modell sportsclinic bereits oder ist das Projekt mit Standort Rehetobel das europäische Pilotprojekt?

Im Internet bestehen unter „sportsclinic germany“, „sportsclinic austria“ und „sportsclinic switzerland“ jeweils Kontaktadressen zu Arztpraxen mit Öffnungszeiten von 8-17 Uhr. Und es gibt Pressemitteilungen über Planung und Standortsuche der Interessengroup u.a. in Davos, Hannover, München, Bad Wiessee, Garmisch, Kitzbühl, Bozen, Innsbruck. Ich finde aber keine funktionierende REHA-Klinik mit vorgeschlagenem Modell.

Woher kommt so viel Geld?

Aus dem Internet kombiniere ich, dass mit dem Projekt sportsclinic die „sports medicine excellence group“, „hospitecture“, die Salzmann Group und die Ortho Team AG in Verbindung stehen. Die REHA-Klinik mit nur 30 Zimmern soll mit dem Stararchitekt Matteo Thun aus Mailand konzipiert werden.

Welche Ergebnisse, Vereinbarungen ergaben sich durch die Verhandlungen mit dem Spitalverbund und dem Kanton?

Die Initianten der sportsclinic switzerland sollen laut Aussage seit 2 Jahren mit Spitalverbund und Kanton in Verhandlungen sein. Laut Spitalverbund bestehen keine konkreten Vereinbarungen.

Was sind die Untersuchungsergebnisse der Fachhochschulstudie zur Zusammenarbeit zwischen Privaten Unternehmen und der öffentliche Hand im Gesundheitswesen?

Auf Fachhochschulebene soll durch eine Fachgruppe das Projekt betreut werden, um sicherzustellen, dass neutrale Spezialisten die Zusammenarbeit öffentliche und private Strukturen im Gesundheitswesen sicherstellen können, so dass ein optimales und nachhaltiges Ziel erreicht wird.

Bestehen Partnerkrankenkassen?

Mit welchen Krankenkassen wird die REHA-Klinik zusammen arbeiten? In welcher Form ist eine Zusammenarbeit mit Krankenkassen möglich?

Braucht es eine REHA-Klinik?

Es stimmt, wir werden immer älter, der „REHA-Markt“ boomt. Tatsache ist auch, dass die bestehenden Kliniken in der Ostschweiz alle grösser als das Projekt Rehetobel sind und kräftig um ihre Patienten werben. Für die sportsclinic in Rehetobel sind 30 Zimmern angedacht. Ist das eine wirtschaftliche Grösse? Das Raumplanungsgesetz erlaubt keine Ausdehnung in der Landwirtschaftszone.

Wo operieren welche Ärzte die Patienten der geplanten REHA-Klinik?

Laut Internet wird von einem internationalen Netzwerk von hochkarätigen Sportorthopäden und -chirurgen der SPORTS MEDICINE EXCELLENCE GROUP operiert. Aus einem Tagesanzeigerbericht von 2014: „Grund für zu viele und unnötige Operationen sind neben dem wirtschaftlichen Druck, Unwissen und zu viele Orthopäden“.

Generiert das Projekt wirklich Arbeitsplätze, insbesondere für das Dorf?

Das Projekt wirbt mit Arbeitsplätzen und NeuzuzügerInnen. Woher kommt das Fachpersonal? Wie viele Personen werden aus dem nahen Ausland zupendeln?

Wie „exklusiv“ wird eine Nachbehandlung in der geplanten REHA-Klinik?

Mit nur 30 Zimmer (40 Patient-/innen), Baukosten von 17 Mio, einem Kaufpreis von 700’000.-, einem jährlichen Baurechtszins von 100’000.–, Beteiligung an weiteren baulichen Massnahmen (Strasse, Plätze, Gehwege, Garage) soll ein Genesungsplatz rund um die Hälfte günstiger sein als im Spital. Wie geht das auf?

Muss das Projekt verkleinert werden?

Das Gebäude steht in der Landwirtschaftszone, der Neubau muss (gemäss Raumplanungsgesetz) auf der selben Grundfläche mit den bisherigen Geschossflächen plus max. 100 m2 entstehen, der Spielraum ist eng. Es braucht Platz für Patientenzimmer mit „Hotelambiente“, Therapieräume, Arztpraxen, Büros, Personalräume, Empfang, Aufenthalt, ev. Schwimmbad, Gastronomie, Garagen und weiteres mehr. Das alles hat auf den gesetzlich zulässigen Geschossflächen nicht Platz.

Wie wird mit den Lärm- und Geruchsimmissionen des Landwirtschaftsbetriebes umgegangen?

In der sportsclinic werden 30-40 Patient-/innen Erholung suchen. Das Land muss bewirtschaftet werden (z.B. ist das Heugebläse im Sommer während der Nacht in Betrieb, der Stallbetrieb ist nicht geruchsfrei).

Wie würde der Landwirtschaftsbetrieb unter den entstehenden Bedingungen weiter geführt? Was wurde mit dem Pächter des Bauernhofes abgesprochen und vereinbart?

Die Remise wurde bisher vom Bauernhof für die landwirtschaftlichen Geräte genutzt. Werden bauliche Massnahmen nötig sein, z.B. Neubau Remise, Änderung Heugebläse.

Wird bei diesen Investitionen (Strassenbau) und dem allfällig entstehenden Druck die Einzonung Kronenbühl wieder aktuell?

Wo spazieren Patienten mit Verletzungen im Bewegungsapparat in unserem unebenen Gelände?

Die Strasse zum Gupf gilt als Wanderweg und ist zeitweise stark frequentiert. Sie wird immer wieder auch als „Rennstrecke“ benutzt. Auf der Strasse sollen in Zukunft zusätzlich Krankentransporte, MitarbeiterInnen und BesucherInnen von Klinik und öffentlichem Restaurant, Anlieferung mit Fahrzeugen unterwegs sein. Versprochene Shuttlebusse verursachen doppelten Verkehr, im Dorf stehen keine Parkplätze zur Verfügung. Patient-/innen der REHA-Klinik wagen zusätzlich ihre ersten Schritte nach der Operation. Vieles ist nicht durchdacht.

Wie sieht das konkrete Projekt aus?

Es besteht noch keine Einsicht in eine aktualisierte Projektversion sportsclinic Rehetobel in Bezug auf die genaue Nutzung, die zu beanspruchenden Grundrissflächen, die Zahl von Arbeitsplätzen, die Gestaltung und das Aussehen des Gebäudes, die Auswirkungen auf Verkehr und Umwelt, die Aussenraumgestaltung.

Was wird konkret vom Raumplanungsamt bewilligt?

Es fehlen die Antworten zu den im Vorfeld eingeholten Informationen des Gemeinderates.

Warum werden bei den Finanzproblemen der Gemeinde Rehetobel nicht die Steuern erhöht?

Die Gemeinde Rehetobel steht vor finanziellen Problemen und möchte das „Loch in der Gemeindekasse“ füllen. Wie gross ist das Loch? Dafür plant der Gemeinderat den Verkauf ihres Naherholungsgebiet, den rehetobler Hügel Stück um Stück. Der Dorf Cafi-Slogan im Juni 15 lautete „gemeinsames“. Das private Unternehmen sportsclinic kann mehr als 10x mehr Baurechtzins bezahlen als das Projekt „Neustart Ob dem Holz“. Sind solche Preistreibereien nicht imageschädigend für die öffentlichen Hand und unsere Gemeinde. Die sportsclinic verspricht der Gemeinde durch sie in 25 Jahren schuldenfrei zu sein – hm?????


22. Oktober 2015 Blogger Gisa Frank, Gastautorin



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