Baurechtsvertrag kommt am 29. November 2015 zur Abstimmung

Baurechtsvertrag für die Abtretung der Liegenschaft ob dem Holz kommt am 29. November 2015 zur Abstimmung

Mit dem Baurechtsvertrag wird die Liegenschaft ob dem Holz an die Sportsclinic Switzerland AG abgetreten, mit dem Ziel, dass diese ein Therapie- und Regenerationszentrum erstellt. Wir stimmen über diesen Vertrag ab, obschon wichtige Informationen nicht kommuniziert sind:

Es liegen Stellungnahmen des Planungsamtes vor, die bestätigen, dass das Vorhaben, so wie es bis heute vorgestellt wurde, den gesetzlichen Vorgaben nicht entspricht:

  • Das geplante Therapie- und Regenerationszentrum mit 30 Zimmern und den erforderlichen zusätzlichen Therapie und Nebenräumen benötigt wesentlich mehr Flächen als sie das Raumplanungsgesetz in der Landwirtschaftszone erlaubt.
  • Initianten und Gemeinde versprechen einen Ersatz für die dortige Remise. Die gesetzlichen Bestimmungen lassen bei einem Abbruch keinen neuen Remisenraum zu. Der Pächter ist jedoch auf diesen angewiesen.
  • Die Projektverfasser möchten eine Tiefgarage, eine solche lehnt das Planungsamt ab.
  • Gewünscht sind Weganlagen ausserhalb des Grundstücks, solche lehnt das Planungsamt ab.
  • Das Projekt hat neue Auswirkungen auf Raum, Umwelt und Erschliessung – weitere Voraussetzungen für eine planungsrechtliche Beurteilung fehlen.
  • Das Planungsamt verlangt, dass die heutige Gebäude- und Dachform, die Gebäudeausrichtung und Lage, sowie die Fensterteilung und die Materialien übernommen werden. Es ist kaum anzunehmen, dass der von der Projektgruppe vorgesehene Architekt aus Mailand diese Vorgaben übernimmt.

Wichtige Fragen sind offen:

  • zum Konzept und dessen Einbindung in die regionale Spitallandschaft,
  • zu dem Bedürfnis aus gesundheitspolitischer Sicht,
  • zu den Auswirkungen auf Raum und Landschaft, die Landwirtschaft und den Verkehr,
  • zu dem Stand der Planungen und Verhandlungen und Anderem mehr,
  • wenn das bis heute vorgestellte Projekt eines Therapie- und Regenerationszentrums so nicht realisiert werden kann, was dann? Die Versprechen lösen sich in Luft auf und es stehen lauter Verlierer da.
  • Wie sinnvoll ist es die Liegenschaft abzutreten, ohne zu wissen was dabei heraus kommt?
  • Wie ehrlich ist es von einer Behörde, mit einem Investor über eine Landabtretung zu verhandeln, wenn in Frage steht, ob die gleiche Behörde letztlich das beabsichtigte Projekt überhaupt bewilligen darf?
  • Wie sinnvoll ist es unter diesen Voraussetzungen über einen Baurechtsvertrag abstimmen zu lassen, dessen Inhalt gar nicht umgesetzt werden kann? Wird da den Stimmbürgerinnen etwas präsentiert, was letztlich so nicht umsetzbar sein wird?

Auf solch unsicheren Grundlagen kann kaum einem Vertrag zugestimmt werden, unabhängig davon, wie man über das Projekt „sportsclinic“ denkt.

Es nützt nichts, wenn wir an das Projekt „sportsclinic“ als Problemlöser und Geldspender glauben, wenn es rechtlich am nachgesuchten Standort nicht bewilligt werden kann.

Geben wir unseren Behörden Zeit und die Chance in einem demokratischen Prozess, ein gesetzeskonformes Projekt zu entwickeln, das für die Gemeinde nicht allein einen finanziellen, sondern auch einen gesellschaftlichen Nutzen bringt und auch unserer Dorfbevölkerung dient.
 
Lesen Sie dazu die Rechtsgrundlagen…


20. Oktober 2015 Blogger hm


Gemeindebehörde gibt teilweise Akteneinsicht und veröffentlicht planungsrechtliche Dokumente


23. Oktober 2015 Blogger red


Gemeindebehörde veröffentlicht Abstimmungsedikt und weitere Dokumente


27. Oktober 2015 Blogger red


Medienbericht


28. Oktober 2015 Blogger red


Flyer


06. November 2015 Blogger red


Medienbericht


07. November 2015 Blogger red


Medienbericht


08. November 2015 Blogger red


Leserbrief | Pressemitteilung


11. November 2015 Blogger red


Medienbericht | Leserbriefe


12. November 2015 Blogger red


Leserbrief


13. November 2015 Blogger red


Leserbrief


14. November 2015 Blogger red


Pressemitteilung


16. November 2015 Blogger red


Leserbrief


17. November 2015 Blogger red


Medienbericht


18. November 2015 Blogger red


Leserbrief | Flyer


20. November 2015 Blogger red


Medienbericht


22. November 2015 Blogger red


Flyer


23. November 2015 Blogger red


Medienbericht | Inserat


TVO – Sendebeitrag (ausgestrahlt am 20. November 2015)


24. November 2015 Blogger red


Gemeindebehörde veröffentlicht Bauermittlungsdokumente


25. November 2015 Blogger red


Medienbericht | Leserbrief


25. November 2015 Blogger red


Medienbericht


26. November 2015 Blogger red


Flyer


27. November 2015 Blogger red


Abstimmungsresultat

Mit einer Stimmbeteiligung von 65 Prozent stimmte heute die Mehrheit der Stimmbürgerschaft (57 Prozent) trotz der vielen offenen Fragen der Abgabe des ehemaligen Altersheim „Haus ob dem Holz inkl. Remise“ im Baurecht zu.
 
Nun ist die Bauherrschaft gefordert, ein unweltverträgliches und den engen Rahmenbedingungen des Raumplanungsgesetzes konformes Konzept zu erstellen…


TVO – Sendebeitrag (ausgestrahlt am 29. November 2015)


Radio SRF Regionaljournal (ausgestrahlt am 29. November 2015, 17.30 Uhr)


SRF Regionaljournal Ostschweiz und Graubünden


29. November 2015 Blogger red


Medienbericht


30. November 2015 Blogger red


Veröffentlicht unter Haus „Ob dem Holz“

7 Kommentare bei “Baurechtsvertrag kommt am 29. November 2015 zur Abstimmung
  1. Bruno Wiederkehr sagt:

    Warum NEIN am 29.November 2015 zu dem Baurechtsvertrag ob dem Holz

    • Für eine Rehaklinik ist der Standort ob dem Holz wegen der ungenügenden Strassenerschliessung und dem fehlenden Anschluss an den öffentlichen Verkehr ungeeignet.

    • Die ländlich geprägte Kulturlandschaft ob dem Holz wird durch den Gesundheitsbetrieb zersiedelt. Das ist kein nachhaltiger Umgang mit dem Boden und widerstrebt dem raumplanerischen Ziel der inneren Verdichtung.

    • Die Nähe zum Landwirtschaftsbetrieb mit seinen Immissionen stört die landwirtschaftsferne Rehabilitation und gefährdet dessen Existenz.

    • Am Standort ob dem Holz ist eine spätere Expansion undenkbar, was unternehmerisch schlecht ist.

    • Der Abbruch des ehemaligen Bürgerheims, das sich in einem einwandfreien bautechnischen Zustand befindet und kerngesund ist, widerspricht einem Ressourcen schonenden Handeln. Mit einer sanften Renovation und einer energetischen Sanierung lässt sich das bestehende Gebäude neu nutzen.

    • Mit dem Abbruch des ehemaligen Bürgerheims und der Ansiedlung eines landwirtschaftsfernen Betriebes geht sichtbare Rehetobler Gemeindegeschichte und ein Stück Gemeingut unwiederbringlich verloren.

    • Es wird ein Neubau versprochen, der die Identität des Altbaus wahrt und sich in die Landschaft und den Weiler einfügt. Ein exclusiver Stararchitekt aus Mailand soll das richten. Wer beurteilt aber, ob dieses dann wirklich in unsere Landschaft passt? Die Meinungen über gute Architektur gehen in unserem Dorf auseinander.

    • Es wird eine Klinik versprochen, die sich in luxuriösem Masse um die Therapie kümmert. Unser Gesundheitswesen, das immer teurer wird, braucht keine Kliniken, welche Behandlungen in einem luxuriösen Ambiente anbieten. So etwas ist Kostentreibend und sollte nicht von der öffentliche Hand gefördert werden.

    • Der überhöhte Bodenpreis und der darauf basierende zu hohe Baurechtzins und die vorgestellte luxuriöse Bauweise vertragen sich nicht mit den versprochenen betrieblichen Kosten- und Effizienzüberlegungen.

    • Die Pächterfamilie wird jetzt bereits zur Unterschrift gebeten, auf die Remise zu verzichten, noch bevor eine neue Remise bewilligt wird, die wiederum laut Raumplanungsgesetz nicht bewilligt werden kann! Was will der Gemeinderat?

    Die Gemeinde ist Grundeigentümerin. In diesem Fall kann sie bestimmen, wie das Land in Zukunft sinnvoll und zum Nutzen aller verwendet wird. Ausser dem monetären Gewinn, wenn es dann einer ist, sehe ich keinen gemeinnützigen Wert an dem Projekt. Wir zersiedeln ein Stück intakter Kulturlandschaft und geben Handlungsspielraum auf, den wir heute noch besitzen. Zu dem Baurechtsvertrag mit der Sports Medicine Excellence AG stimme ich NEIN.

  2. Jochen sagt:

    Warum JA zum Baurechtsvertrag

    Nun ist der vorgeschlagene Baurechtsvertrag publiziert- mir scheint er sehr professionell und mit den Interessen der Gemeinde ausgearbeitet. Mich freut daran vor allem, dass die Punkte aus der öffentlichen Diskussion aufgegriffen worden sind: Man hat die Interessen des Ladwirtschaftsbetriebs hinsichtlich der Remise und des Schutzes vor Beschwerden gegen Immissionen klar und zugunsten der Landwirtschaft geregelt, es ist vertraglich festgehalten, dass für die Bevölkerung nützliche Teile der „Sportsclinic“ öffentlich sein sollen (Restaurant, Lesesaal etc) und auch das heikle Thema der Heimfallentschädigung scheint mir so sinnvoll geregelt.
    Seien wir doch offen für das Neue! Lassen wir den Investor beurteilen, ob das Projekt am Standort ob den Holz mit den allseits bekannten Rahmenbedingungen medizinisch und unternehmerisch möglich und sinnvoll ist. Er wird es sorgfältig überlegt haben, schliesslich steckt er viel Energie, Reputationsrisiko und Geld in das Projekt. Fest steht, dass in Zeiten von SwissDRG-Fallpauschalen Patienten immer früher aus dem Spital entlassen werden und wahrscheinlich die meisten froh um schnelle und wirksame Rehabilitation sind. Fest steht auch, dass gerade aufgrund des Kostendrucks Innovation in der Medizin dringend gesucht ist, einen Zukunftsmarkt darstellt und „Luxus“ in der Medizin auch darin besteht, als Normalpatient mit modernen Methoden behandelt zu werden.
    Ich habe aus vielen Diskussionen mitgenommen, dass wir in Rehetobel auch in Zukunft ein prosperierender, selbständiger Ort mit eigenem Gewerbe und Arbeitsplätzen sein wollen. Und dann brauchen wir auch neue Unternehmen, die sich ansiedeln, und da scheint mir moderne Medizin sinnvoll: Nützlich für den Menschen, sauber, wertschöpfend.
    Die vorhergehenden Blog-Einträge atmen mir zu viel Angst vor dem Neuen und Fremden, und die ist ein schlechter Ratgeber. Ob der vielzitierte „Stararchitekt“ nun aus Mailand, New York oder Heiden kommt, er wird sich an die Vorgaben des Planungsamtes halten müssen, wenn er eine Baubewilligung will. Das wird sowohl ihm als dem Bauherrn klar sein. Wer etwas googelt, findet heraus, dass der Architekt vielfach ausgezeichnet ist, u.a. für nachhaltiges Bauen. Vielleicht sogar ein Aushängeschild für Rehetobel? Und es kann auch dann ein gutes und für Rehetobel nützliches Vorhaben sein, wenn die Patienten dereinst nicht nur aus dem Appenzellerland kommen.
    Einige argumentieren mit der Zersiedelung. Wenn man dieses Argument zu Ende führt, müsste man das Haus ob dem Holz abreissen und Wiese einsäen. Das will wohl niemand, und auch kein leeres Gebäude stehenlassen. Oder führt eine andere Nutzung zu weniger Zersiedlung? Ist Wohnraum weniger zersiedelnd als eine Reha-Einrichtung? Ich finde, nein.
    Natürlich ist es schade, ein bestehendes und gut in Schuss gehaltenes Gebäude abzutragen. Und vielleicht muss es eine politische Aufarbeitung der nicht ruhmvollen letzten Jahre vor der Schliessung des Bürgerheims geben. Aber das ist Vergangenheitsbewältigung, und davon findet ob dem Holz keine neue Nutzung statt.
    Geben wir Rehetobel eine Chance auf eine zukunftsträchtige Investition. Ich bin kein Nachbar. habe keine Beziehungen irgendwelcher Art zu den Projektverfassern, glaube aber, dass dies das richtige Projekt für Rehetobel ist und stimme überzeugt mit JA.

  3. Sarah Kohler sagt:

    Das tönt alles gut und recht, aber: am falschen Standort! Wenn es hier in der Landwirtschaftszone denn überhaupt umsetzbar sein sollte, dann nämlich nur durch die Zwängerei in eine für ein solches Projekt atypische Ausnahmevorschrift. Dazu kann ich nicht “ja” sagen.
    Das Projekt an sich erscheint mir auf den ersten Blick auch nicht uninteressant und darf meiner Meinung nach auch weiterverfolgt werden. Wenn es sich denn tatsächlich in die ostschweizerische Gesundheitslandschaft einfügen sollte, dann könnte ich mich auch freuen, wenn es an einem geeingeten Standort in einer Nachbargemeinde umgesetzt werden kann und wir, wenn auch nicht als Standortgemeinde, doch immerhin als Region davon profitieren können.
    Für ein solches Projekt darf die Landwirtschaftszone im “ob dem Holz” nicht hinhalten. Zudem sind einfach zu viele Fragen noch offen. Was wollen die Projektierenden? Warum bedingen sie sich vertraglich ein Vorkaufsrecht über die ganze landwirtschaftliche Liegenschaft “Halden bis Fernsicht” ein, wenn von Gesetzes wegen ein solches auf den Grundstückteil begrenzt ist, der für das Baurecht erforderlich ist? Warum bietet der Gemeinderat Hand dazu?

  4. Nicole Bauer sagt:

    Eine Entscheidung mit Weitsicht!

    Schnell sind sie vollzogen, die Schubladisierungen von Stimmberechtigten. Die, welche JA zur Sportsclinic sagen, sind angeblich die „Offenen und Innovativen“, die anderen die „angstgesteuerten Verhinderer“. Neben der Frage, ob solche Kategorisierungen wirklich stimmen und hilfreich sind, interessiert mich als Stimmberechtigte vielmehr:

    „Was ist ein kluger Entscheid in dieser Abstimmung?“

    Ist es klug, einen Entscheid von solcher Tragweite zu fällen, wenn aktuell die Behörde zusammen mit der Dorfbevölkerung dabei ist ein stimmiges und zukunftsträchtiges Leitbild zu entwickeln?

    Ist es klug, sich als Dorfgemeinschaft monetär von einem Investor abhängig zu machen?

    Ist es klug, unsere Landwirtschaftszone und somit unser aller kostbares Naherholungsgebiet weiter zu beschneiden?

    Ist es klug, wenn unsere Behörde das Vorkaufsrecht für Landwirtschaftsland einem Investor ohne landwirtschaftlichen Hintergrund einräumt?

    Was ich als Stimmbürgerin unabdingbar brauche, um einen klugen Entscheid von solcher Tragweite fällen zu können:

    • In einem demokratischen und transparenten Prozess erarbeitete Visionen mit konkreten Zielen wohin sich unser Dorf entwickeln soll. Dazu gehört u.a. auch die Klärung, welche Gebiete sich für welche Gewerbe eignen.

    • Vertrauen in die Vertragsparteien, also unsere Behörde und Investoren, dass ihre Ziele sich mit denen des Leitbilds decken.

    Ein NEIN ist deshalb für mich ein kluger Entscheid zu diesem Zeitpunkt, zu diesem Projekt in dieser Zone.

    Nicole Bauer Tomasi

  5. Christian Weisser sagt:

    Darum ist ein NEIN für mich mit dem heutigen Wissensstand die richtige Entscheidung

    Zugegeben – auf den ersten Blick tönt das Projekt sportsclinic positiv und euphorisch. Der Gemeinde fliessen bei Vertragsunterzeichnung CHF 700’000 zur freien Verfügung zu (7 Baurechtszinse im Voraus!), danach jedes Jahr wiederkehrend CHF 100’000 zzgl. Indexierung. Daneben sollen ca. 40-70 Vollzeitstellen geschaffen werden und das lokale Gewerbe könnte gemäss Aussagen der Investoren ebenfalls profitieren. Mehr Steuerertrag wäre ebenfalls zu erwarten. Was will man noch mehr? Aber wie so oft lohnt sich ein zweiter, genauerer Blick auf eine Sachlage. Wenn ich mir die Ausführungen im Abstimmungsedikt anschaue und mir die Veranstaltung der LG Dorf vom Donnerstagabend, 5. November mit den vielen Fragen und Antworten in Erinnerung rufe, so habe ich im Moment mehr Fragen als Antworten:
    • Die Planung scheint noch nicht abgeschlossen zu sein – es sind keine Detailpläne vorhanden
    • Das Bauvorhaben ist vom Planungsamt noch nicht abgesegnet
    • Der Entscheid der kantonalen Bodenrechtskommission ist noch ausstehend
    • Die Verhandlungen mit dem Spitalverbund und weiteren Gesundheitsdienstleistern scheinen noch nicht abgeschlossen zu sein
    • Gemäss der Veranstaltungsdiskussion scheinen sich die Pächterfamilie und die Investoren in diversen Fragen (noch) nicht einig zu sein
    • Warum wird zusätzlich noch ein Vorkaufsrecht über die ganze Parzelle 274 (ca. 151’000 m2!) gewährt? Dieses Supplement hat mit dem eigentlichen Baurechtsvertrag nichts zu tun, ist unnötig und verunsichert
    • Und ein ganz zentraler Punkt bezüglich der sensiblen Landschaftsschutzzone: Die ganze Verkehrserschliessung ist überhaupt noch nicht geregelt!
    Wird die gewünschte Tiefgarage vom Planungsamt überhaupt bewilligt? Falls nein – werden dann die entsprechend benötigten oberirdischen Parkierungsflächen in der Parzelle bewilligt? Falls nein – käme dann ein Elektro-Shuttlebus zum Einsatz, der vom Dorf zur Klinik und wieder zurück pendelt? Wenn ja – wie oft? Wo können die Angestellten, Besucher usw. dann ihre Fahrzeuge parkieren? Im Dorf, oder ausserhalb?
    Gemäss Aussage der Investoren soll kein Mehrverkehr im Vergleich mit der Ära “Altersheim Ob dem Holz” entstehen – trotzdem wird offengelassen, ob der Einlenker Heidenerstrasse/Bürgerheimstrasse und die Strasse bis zum “Ob dem Holz” erweitert werden muss. Was dies konkret für die Gemeindekasse bedeutet, wissen wir nicht…

    Aus meiner Sicht müssten all diese und noch weitere Fragen geklärt sein, bevor wir überhaupt darüber abstimmen können. Leider wurde am Abstimmungstermin vom 29. November trotz der vielen offenen Fragen festgehalten. Schade…

  6. Christian Lenggenhager sagt:

    Ob dem Holz – sportsclinic

    Menschliches Verhalten resultiert aus Denken, Fühlen und Handeln. In den letzten Jahren prägten die Macher das Dorfbild. Fühlen(Ästhetik) fand nicht statt, Denken war eingeschränkt auf Mehr-ist-besser.

    Ich bin am LGD-Abend ins Studieren gekommen. Ich möchte diese Gedanken, die vielleicht eher allgemeiner Natur sind, hier einmal aufschreiben.

    Mir schien, die Auseinandersetzung nahm fast philosophische Dimensionen an. Kapitalismus gegen andere Wertsysteme. Ich glaube, ich habe halt noch nie live solche Unternehmer gesehen. Sie traten als Wohltäter auf. Für uns Arme versprachen sie Geld, für das Gesundheitswesen Einsparungen, den Bauern eine neue Scheune für die immer grösseren Traktoren. Wenn man im kapitalistischen Glaubensbekenntnis gefangen ist, (Wachstum, immer mehr) ist besser und Geld ist das grosse Glück, geht das alles auf. Probleme gibt es keine, die liegen ausserhalb, wie es bei Sekten auch der Fall ist. Und alle anfallenden Probleme werden gelöst: Wenn es keine Parkplätze geben darf, macht man eine Tiefgarage, wenn die nicht gross genug gebaut werden darf, stapelt man die Autos halt, wenn das nicht reicht, baut man im Dorf unten halt welche und macht einen Shuttle Bus, wenn der jemanden stört, macht man ihn elektrisch und so weiter. Wenn ein Gesetz im Wege steht, verhandelt man, bis es geht wie man will. Es gibt kein Hindernis. Man setzt sich durch. Das Projekt wird auf jeden Fall realisiert, wenn wir nicht wollen, sind wir selber schuld und es wird halt in der Nachbargemeinde gemacht. Wenn ich sage, ich möchte nicht in diesem Verkehr spazieren müssen, verspricht man, sich an den Kosten für die Strassenverbreiterung zu beteiligen. Geld bringt das Heil. Dass ich lieber auf einem wenig befahrenen Weglein spaziere, als auf dem Trottoir einer viel befahrenen Strasse, oben auf einer hässlichen Stützmauer, die ein brutales Eisengitter zur Sicherheit erfordert, wie es an der Oberstrasse montiert wurde, kann man nicht begreifen, das liegt ausserhalb ihres Wertsystems.

    In der Mathe lernte ich mal: Wenn die Prämissen falsch sind, kann man nachher alles richtig rechnen, das Ergebnis wird falsch sein. Die Investoren machen alles richtig, wir halten nur ihre Prämissen für falsch. So kann man ihnen gar nicht böse sein. Sind sie ja auch nicht, sie fühlen sich diesem Dorf in rührender Weise verbunden, zum Teil seit der Kindheit und sie wollen nicht, dass das Leben ob dem Holz stirbt, etc. Nur unsere Vorstellung von Lebensqualität liegt leider ausserhalb ihres Glaubensbekenntnisses. Dass die Investoren so denken, ist ihnen nicht zu verübeln, für sie hat es sich ja bewährt. Tragisch ist es für Ueli, der auch darin verhaftet ist und nichts davon hat und dabei krank wird, wie er selber sagt. Und Ueli will, da bin ich ganz sicher, eigentlich das Beste für unser Dorf.

    Das zeigt sich auch sprachlich: Bewahren was ist, (statt immer mehr), heisst Stagnation. Also etwas Verwerfliches. DIE Sünde in diesem Wertsystem.

    Auch die ominöse Studie, die nie zitiert, sondern nur vage erwähnt wird, besagt, dass man hier schneller gesund wird als beispielsweise am Paradeplatz. Das ist nur die halbe Wahrheit. Korrekter ausgedrückt, besagt die Studie, dass man am Paradeplatz langsamer gesund wird als hier. Denn das Natürliche ist die Referenz. Der Lärm, Gestank und die Hektik bremsen die Gesundung am Paradeplatz. Nicht vergessen, der Paradeplatz war auch einmal eine grüne Wiese. Hätte man dort rechtzeitig die Investoren verhindert, würden die armen Zürcher jetzt auch so schnell gesund werden wie wir. Oder gar gesund bleiben! (Ob dieses Studienergebnis übrigens auch bei 7,5 Tagen Reha signifikant ist, ist zudem fraglich, insbesondere bei Menschen, die, wie gesagt wurde, gar nicht krank sind). Also dass ein rational denkender Mensch wirklich diese vage Studienaussage als Grund für diese Standortwahl nimmt, scheint mir doch sehr unwahrscheinlich. Der Beweggrund, alles aus einer Hand anbieten zu können, könnte ja auch ein anderer sein, als das Kostensparen im Gesundheitswesen. Vor allem von jemandem, der mit dem Gesundheitswesen sehr reich wurde. Es könnte ja sein, dass es einen stört, dass man nur an der Operation verdient, und an der Nachbehandlung andere. Darum möchte man alles selber anbieten. Am Besten als Rosinenpicker, denn wenn jemand in der Reha eine Pneumonie oder einen Herzinfarkt erleidet, muss er zurück ins Spital, das für solche Fälle bereit sein muss. Diese Bereitschaftskosten werden wohl von der Allgemeinheit getragen.

    Mich hat das Ganze an die Geschichte des Indianers erinnert, der beim Fischen ist. (Er wird beim Fischen von einem Industriellen angesprochen, der möchte, dass er in seiner Fabrik arbeitet. Der Indianer fragt was er davon habe. Es ergibt sich ein Gespräch und als Höhepunkt sagt der Industrielle: „Dann kannst Du sogar Ferien machen.“ –„Und was soll ich in den Ferien dann tun?“- „Da kannst Du ja fischen gehen.“) Der eine Investor sagte es genauso: Die Klinik wird Leute anziehen, die werden Familien haben und Kinder, die werden in die Schule gehen und wenn wir dann die Schule vergrössern müssen, dann haben wir dann das Geld dazu dank der Klinik! Das Geld, das sie uns geben, dürfen wir dann brauchen, um die Folgen ihres Tuns bezahlen zu können. Sei es bei der Schule, bei der Strassenverbreiterung, wo auch immer.

    Als wir hierher zogen, war der Sonnenberg noch unüberbaut. Jetzt ist er voller Häuser. Die Bergstrasse eignete sich als Naherholungsspazierweg. Jetzt ist sie eine Strassenschlucht und Permanentbaustelle und man ist froh, wenn man sie hinter sich hat. Trotzdem haben wir jetzt Schulden! Und trotzdem gibt es immer noch Leute, die glauben, mehr Häuser und Strassen würden Schulden tilgen. Der Kanton Uri, der jahrelang Reiche anlockte ist in den roten Zahlen. Seit letzter Woche auch Schwyz. Wenn etwas sich so offensichtlich nicht bewährt hat, ist es absurd, dieses Konzept weiter zu verteidigen! Niemand zieht zu uns, um uns unsere Schulden zu bezahlen. Jeder, der kommt, hat die gleichen Ansprüche wie wir und jeder wird Schulden verursachen wie wir es taten.

    Leuchtturmprojekte verschlimmern das nur noch. Wozu hinausleuchten? Mir wäre lieber etwas was ein-leuchtet. Wir erfahren, dass relativ wenige Einwohner fast die Hälfte der Steuern bezahlen. Aber eine Analyse dazu gibt es nicht. Wie der Zusammenhang zu den Schulden ist, auch nicht. Haben wir trotz dieses Sachverhaltes oder wegen diesem Sachverhalt hohe Schulden? Soll man dieses Verhältnis vergrössern oder reduzieren? Das weiss man offensichtlich nicht, man tut nur so, als wüsste man es. Sicher ist, dass unser Dorf sich immer mehr zu einer charakterlosen Agglogemeinde entwickelt und irgendwann haben wir hier auch Paradeplatz und dann wird die Sportsclinic weiterziehen müssen. Irgendwo wird es schon noch grün sein.
    Übrigens: Stimmt es, dass einige Einwohner beantragten, die Sportsclinic umzutaufen in Herberge für gesunde Menschen mit mechanischen Problemen?

  7. Manu Hörler sagt:

    Warum wurde zensuriert?

    Von allen bisher diskutierten wichtigen Fragen beschäftigt mich vor allem Folgendes: bis vor kurzem war nur eine zensurierte Fassung der Planungsrechtlichen Stellungnahme vom 16.09.14 zur Anfrage „Ersatzbau- und Umnutzung Gemeindealtersheim Haus ob dem Holz“ öffentlich zugänglich. Auf Antrag der Lesegesellschaft Dorf wurde dieses Schreiben ohne eingeschwärzte Stellen am 15.10.15 zugänglich gemacht.

    Warum wurde zensuriert? Warum durften wir nicht schon vor einem Jahr wissen, was wir jetzt wissen? Mit Schwarzen Balken werden ausgewählte Informationen öffentlich. Warum dürfen wir Stimmbürger höchstens die halbe Wahrheit kennen? Warum lassen uns unsere Gemeindebehörden über ein in vielen wesentlichen Punkten skizzenhaftes Projekt, das grundlegende raumplanerische Fragen offen lässt (vgl. Stellungnahme des WWF Appenzell) und schwer vorauszusagende Auswirkungen auf die Zukunft unserer Gemeinde hätte, erst konsultativ und Ende November auch noch „richtig“ abstimmen?

    Wir wissen es nicht. Wie bekommen wir Klarheit über die Geschichte von der Suche nach einer möglichst lukrativen Neunutzung des Gemeindealtersheims „ob dem Holz“ auf Parzelle 274 in Rehetobel, die lange vor dem 16.09.14 begann?

    Schwarze Balken sind in einer Demokratie ein untaugliches Mittel und ihrer unwürdig, mein Vertrauen in unsere verantwortliche Behörde ist auf einem Tiefpunkt angelangt.

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