Baumemorandum

Wie entwickelt sich unser Dorf mittel- und längerfristig weiter?

Seit einiger Zeit herrscht in Rehetobel eine rege Bautätigkeit, unter anderem angekurbelt durch die tiefen Zinsen, auch durch den Artikel 56 „Gesetz über Raumplanung und Baurecht“, welcher nun gottlob aufgrund der Unvereinbarkeit mit dem übergeordneten Eidg. Raumplanungsgesetz ausgesetzt wurde.

Mittlerweilen sind nun auch in Rehetobel grossflächigere Überbauungen in Planung, wie z.B. auf Parzelle 66 hinter dem Friedhof, oder die Überbauung an der Bergstrasse / Hauetenhalde, die den Charakter unseres Dorfes innert kürzester Zeit markant verändern würden. Weitere Projekte könnten jederzeit folgen.

Initiiert sind solche Projekte oftmals von Bauentwicklern, die keinen Bezug zu unserer Tradition, Baukultur und unserer Landschaft haben. Die Architektur ist dann in den meisten Fällen geprägt von einer gesichtslosen „Modernität“, die Massstäblichkeit ist städtisch, Gewinnmaximierung ist oberstes Ziel. Die Agglomeration lässt grüssen! Argumentiert wird mit der eigens vom Bund vorgegebenen „Siedlungsverdichtung nach innen“!

Die Projekte sind problematisch, aus verschiedenen Gründen. Bei der Ausführung wird das lokale Gewerbe kaum berücksichtigt!

Gänzlich aufhalten können und wollen wir eine Weiterentwicklung unseres Dorfes nicht, jedoch können wir sie bewusst gestalten. Bevor nun übereilig Baubewilligungen erteilte werden, in der kurzsichtigen und einzigen Hoffnung, Steuerzahler anzulocken, ist es allerhöchste Zeit, dass wir erst inne halten und uns gewisse qualitative Fragen gemeinsam als Dorfgemeinschaft stellen.

Wie pflegen, wie entwickeln wir unser Dorf weiter? Wie schaffen wir den Blick über Grösseres und Zusammenhängendes? Wie können wir das traditionelle Siedlungsmuster unseres Dorfes weiterentwickeln? Welche Massstäblichkeit erträgt unsere bestehende Landschaft, unsere bestehende Dorfstruktur? Mit welchen Materialien soll in unserem Dorf gebaut werden? Welche Farbigkeit passt in die Appenzeller Landschaft?

Dabei gilt es auch, unsere Geschichte zu berücksichtigen. Wir waren ein Textildorf, entstanden in der Hochblüte der Textilindustrie. Die meisten Betriebe sind verschwunden, Umnutzungen haben längst stattgefunden, ohne dass die Bauten wesentlich verändert wurden. In ihrer Vielzahl sind sie das spezifische Kulturgut unseres Lebensraumes, die sichtbaren Spuren der Vergangenheit. Sie sind wesentliche Elemente unseres kollektiven Gedächtnisses, unserer Erinnerungskultur, unserer Identität.

Die Gemeinde Disentis stand vor denselben Fragen. Sie schaffte sich das Baumemorandum, ein exemplarisches Instrument, um die Baukultur im Milizsystem zu fördern. Sie definierten Quartiere, Orte, Situationen, denen besondere Aufmerksamkeit gelten soll. Sie analysierten diese Orte und leiteten daraus eine Zielsetzung ab. Wenn in diesem Quartier gebaut wird, worauf gilt es gestalterisch zu achten? Welche baulichen Elemente gilt es fortzuführen, um den Charakter zu wahren? Sie hielten diese Ziele in Bild und Text fest und ergänzten damit den Zonenplan.

Solche Leitplanken könnten auch bei uns zur Weiterentwicklung unseres Dorfes dienen. Der Prozess zu diesem Instrument kann dazu genutzt werden, einen öffentlichen Konsens zum Thema „Bauen im Dorf“ zu finden.

Wir zeigen Ihnen im Folgenden das „Baumemorandum Disentis“.

Baumemorandum Disentis

Ein Werkzeug zur Qualitätssicherung, zur Transparenz und zur Kommunikation in Baufragen

Der 1x3m grosse Gemeindeplan und das dazu­gehörende Ordnerwerk beschreiben in Plan, Fotos und Text die baulichen Eigenarten der verschiedenen Dorfteile. Das „Baumemorand­um“ genannte Planungsinstrument macht für neue Projekte einfache architektonische Vor­gaben, welche die oft wechselnden Zuständig­keiten in Laienbehörden überdauern. Als Lang­zeitwerkzeug konzipiert und mit relativ wenig Aufwand und Kosten initiierend zu erstellen, entwickelt es sich stetig weiter. Es ist Orien­tierungspunkt und Leitfaden für wechselnde Baubehörden und wertvolle Grundlage in der Begründung von Gestaltungsentscheiden.

(Quelle: HTW Hochschule für Technik und Wirtschaft)

Disentis gewinnt die Stadtlandschau

Die Gemeinde Disentis erhält für ihr Baumemorandum den ersten Preis der Stadtlandschau, dem Wettbewerb für Dorf- und Städtebau der Architekturzeitschrift «Hochparterre».

Disentis. – Ausgezeichnet wird die Gemeinde gemäss einer Medienmitteilung für die Erfindung des Baumemorandums. Dieses Instrument beschreibe in Plan, Fotos und Text die baulichen Eigenarten der verschiedenen Dorfteile und mache für neue Projekte einfache architektonische Vorgaben, welche die oft wechselnden Zuständigkeiten in Laienbehörden überdauerten.

Die Preisverleihung findet an der Stadtlandfeier am Samstag, 16. Juni, zwischen 14 und 16 Uhr im Klosterstall in Disentis statt. Christian Wagner, Architekt und Erfinder des Baumemorandums, stellt das Instrument an der Feier vor.Den zweiten Preis der Stadtlandschau 2012 erhält die Entwicklung des ehemaligen Industrieareals Lagerplatz in Winterthur und der dritte Preis geht an die gestalterische Strategie Stadträume 2010 des Stadtzürcher Tiefbauamts.

(Quelle: Südostschweiz)

Bau-Memorandum Disentis

Ausgangslage, Problemstellung

Die Schweizer Direkte Demokratie und das Milizsystem der Gemeinden fördert hinsichtlich einer konstanten und nachhaltigen Siedlungsentwicklung zunehmend Schwierigkeiten zutage, auf die es kaum Antworten, bzw. schlüssige Instrumente zur Bewältigung gibt: Kürzer werdende Amtszeiten von Gemeindebehörden, wechselnde Baukommissionen, fehlendes Fachwissen, unterschiedliches Architekturverständnis („Nachhaltigkeit“ einer Baukultur), schwierige Nachvollziehbarkeit von Bauentscheiden, juristische Auslegung von „Präzedenzfällen“, unklare Gewichtung der Gestaltungsfrage in stark heterogenen Gemeinden, politische statt inhaltliche Argumentation – nur um die wichtigsten Punkte zu nennen – sind Problemkreise, die jede Baubehörde mit Seufzen bestätigen wird. In der Gemeinde Disentis mit ihren zahlreichen Fraktionen und Weilern kamen diese Fragen umso stärker zum Vorschein, als es gilt, einer lebendigen, zeitgemässen städtischen Zentrumsfunktion, einem traditionsreichen Kloster, zahlreichen touristischen Bauten und Anlagen, dem Zweitwohnungsbau, zentralen Gewerbefunktionen bis hin zu weitgehend intakten, verträumten historischen Ortsbildern gerecht zu werden. Und dies mit den identischen zwei, drei entsprechenden Baugesetzparagraphen.

Das Bau-Memorandum

Das Disentiser Bau-Memorandum besteht aus einem 1m x 3m grossen Gemeindeplan 1:2000 und einem dazugehörigen Ordnerwerk. Markante, baulich zusammengehörende Gebiete – sei dies eine Häusergruppe, ein Dorfquartier, eine Silhouette, ein Ortskern – werden mit einem Fadenkreuz fokussiert (dadurch ist der jeweilige Perimeter fliessend) und mit Fotos, einem Beschrieb des Bestandes und einer Zielsetzung versehen. Veränderungen werden dokumentiert und im Ordnerwerk nachgeführt. Bauentscheide – und insbesondere der Prozess der Bauberatung sowie die Interpretation des Gestaltungsparagraphen – werden dokumentiert, sind jederzeit nachvollziehbar und können auch als vorbereitende Planungsgrundlage für zukünftige Bauvorhaben konsultiert werden. Das Memorandum ist der rote Faden des Bauens in Disentis – unabhängig von Baukommissionszusammensetzungen, politischer Einflussnahme und juristischer Paragrapheninterpretation.

Der baukulturelle Nutzen

Auch in Gebieten, die nicht als „generell geschützter Siedlungsbereich“ klassiert sind und oftmals wenig gestalterische Beachtung finden (also z.B. Gewerbezonen, Vorortssituationen, W3, etc. sind immer Ansätze städtebaulicher Qualitäten vorhanden, die aktiv gefördert werden könnten – sofern sie erkannt, formuliert und über Jahre hinweg gezielt entwickelt werden. Bestehende Instrumente wie z.B. Siedlungsinventare sind oft stark denkmalpflegerisch orientiert, sind starr, schnell veraltet und werden von Bauinteressenten wenig beachtet. Das Disentiser Bau-Memorandum ist einfach und verständlich und jederzeit für jedermann einsehbar. Es ist als Langzeitwerkzeug konzipiert, mit relativ wenig Aufwand und Kosten initiierend zu erstellen und entwickelt sich stetig weiter. Es ist Orientierungspunkt und Leitfaden für wechselnde Baubehörden und wertvolle Grundlage in der Begründung von Gestaltungsentscheiden bei Streitfällen und demokratischen Prozessen.

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(Quelle: Fachverband Schweizer Raumplaner)


04. Februar 2015 Blogger mp


Informationsveranstaltung „Baumemorandum“

„Unser Dorf hat ein Gesicht – wir wollen, dass es erkennbar bleibt!“

Am Montag, 23. November 2015 referierte Christian Wagner, Prof., Dipl. Architekt ETH/SIA von der Fachhochschule Chur zum Thema «Baumemorandum für Rehetobel?» – ein Werkzeug zur Qualitätssicherung, zur Transparenz und zur Kommunikation in Baufragen.

Anschliessend fand eine Podiumsdiskussion mit folgenden Teilnehmern statt:

  • Dölf Biasotto, Dipl. Bauingenieur ETH, Urnäsch
  • Eva Louis, Präsidentin Heimatschutz AR und Architektin, Stein
  • Hansruedi Traber, Verkehrsverein Rehetobel
  • Christian Wagner, Prof., Dipl. Architekt ETH/SIA, Chur
  • Jens Weber, Kantonsschullehrer, Kantonsrat, Trogen

Die Moderation leitete Hanspeter Spörri, Journalist, Teufen.

Weitere Informationen können Sie dem „Veranstaltungs-Flyer“ und der „Zusammenfassung des Vortrags“ entnehmen.


27. November 2015 Blogger red


Leserbrief


11. Dezember 2015 Blogger red


Mitteilung Gemeindekanzlei


29. Januar 2016 Blogger red


Mitteilung Gemeindekanzlei


07. Juni 2016 Blogger red


Mitteilung Gemeindekanzlei


06. Dezember 2016 Blogger red



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